Sind meine Schuhe ausgetreten oder abgenutzt, gehe ich in ein Schuhgeschäft. Dort fühle ich mich zunächst vielleicht sogar unwohl, weil ich erkenne, dass ich mit meinen alten Tretern nur als Trampel erscheinen kann. Ich sehe Regale, gefüllt mit Schuhen. Langsam erkenne ich die Charakter der einzelnen Paare, robust, praktisch, zart, elegant.
Als wir nach Herrenwies fuhren, kamen wir aus Stuttgart. Einer Stadt, in deren Kessel sich vor allem eines staut: Abgase, das heißt schlechte Luft. Im Alltag merken wir nicht mehr, wie schlecht sie ist und besonders, wie kurzatmig wir leben. Ich hatte mir im Vorfeld keine Gedanken darüber gemacht, was ich mir von Herrenwies erwartete. Dort angekommen, wusste ich es. Ich wollte sie ausziehen, die verbrauchte Luft, wie ein paar alte Schuhe und in die nächste Mülltonne werfen. Im nahe gelegenen Wald erschien es mir so, als gäbe es sie nicht, „die“ Luft. Sie war überall gut, aber so verschieden an unterschiedlichen Stellen.

Auf der Zeichnung sieht man ein Regal. Ich benütze das Regal als Bild obwohl ich mir selbstverständlich dessen bewusst bin, dass es sich um eine unzulässige Komplexitätsreduktion handelt.
In meiner künstlerischen Arbeit habe ich mich zuletzt mit Buchstaben und Lautmalereien auseinandergesetzt. Das „F“ bzw. „f“ erschien mir onomatopoetisch unersetzlich und außerordentlich treffend, um Luft zu beschreiben. Mit meiner Schreibzeichnung möchte ich den Ort Herrenwies mit Umgebung beschreiben, so wie ich ihn erfahren habe.

Josepha Lutz